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Presseschau/Ein_Vorstoß_der_überraschenden_Art

Studenten übergeben Forderungskatalog, wollen es aber nicht als Kritik verstanden wissen - Bildungsstreik light in Schmalkalden:

Studentenvertreter haben der Leitung der Fachhochschule Schmalkalden (fhS) jüngst einen Forderungskatalog im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreiks übergeben. Gleichzeitig betonten die Studenten, dass ihre Vorschläge nicht als Kritik, sondern als Hilfe oder Feedback gedacht seien. „Hier in Schmalkalden läuft sehr viel in die richtige Richtung“, sagte Steven Werner, Vorsitzender des Studierendenrates (StuRa), verwies aber auf die Gunst der Stunde für Vorstöße: „Wir wollten den Rückenwind der medialen Öffentlichkeit ausnutzen.“ Seit Mitte 2009 gibt es deutschlandweit Proteste. Studenten kritisieren vor allem die Bologna-Reformen, mit denen in Deutschland die Studiengänge von Diplom und Magister auf Bachelor und Master umgestellt werden. Rektor Elmar Heinemann, der, wie auch die Dekane dreier Fakultäten, zum Treffen im Rektoratsgebäude erschien, sagte, er sei überrascht von der Aktion. „Seit einem halben Jahr gibt es die Proteste jetzt, wir haben viele Gespräche mit den Studenten geführt und bisher hat noch keiner etwas gesagt.“ Die Forderungen seien für ihn „völlig neu“, die Art und Weise, wie sie jetzt vorgetragen wurden, finde er „nicht so gut“.

Der Forderungskatalog sei eine Koproduktion von StuRa, Fachschaftsräten und anderen interessierten Studenten, berichtet Werner. Einige Punkte habe man sich vom Bildungsstreit auf Bundesebene abgeguckt oder auf die FH heruntergebrochen. „Wir haben Brainstorming gemacht“, sagte Werner. Man wisse auch, dass nicht alle Forderungen im Ermessensbereich der Fachhochschulen lägen. Etwa der erste Kritikpunkt, der sich um die Finanzierung der Hochschulen dreht. Hier fordern die Studentenvertreter eine ausreichende Finanzierung der Hochschulen aus öffentlichen Mitteln - und zwar nur auf Grundlage der Studierendenzahl. Bisher verteilt die Landesregierung ihre Mittel auch nach der Anzahl der Hochschüler in der Regelstudienzeit und nach den erzielten Drittmitteln. Drittmittel sind Finanzierungsanteile für Forschungsprojekte aus der Wirtschaft oder der öffentlichen Forschungsförderung. Dadurch, so wird moniert, unterliegen Lehre und Forschung wirtschaftlichen Zwängen.

Zudem fordern die Schmalkalder Bildungsstreikenden dazu auf, den zum Sommersemester 2010 entfallenden Verwaltungkostenbeitrag nicht durch diverse Gebühren zu ersetzen und lehnen bestehende Gebühren für Leistungen oder Angebote der FH wie Sprach- oder Sportkurse ab. Sie verlangen mehr Transparanz und Mitspracherechte in den Gremien der Fachhochschule, eine Förderung der Gremientätigkeit durch einen vorlesungsfreien Mittwochnachmittag und eine Anrechnung auf die Studienleistung, sie postulieren die Abschaffung von Zulassungsbeschränkungen, barrierefreie Einrichtungen für Studenten mit Behinderung, eine alternative Energieversorgung der Hochschule und eine größere Anzahl kostenloser Parkplätze.

Die Reklamationen des überregionalen Bildungsstreiks fanden ebenfalls ihre Berücksichtigung. Um die Qualität der Lehre zu verbessern, sollte zum sieben- beziehungsweise achtsemestrigen Studium zurückgekehrt, die Regelstudienzeit gelockert, der Vorlesungsplan variabler gestaltet und eine längere Vorbereitungszeit für Prüfungen eingeführt werden.

Die Hochschulleitung sicherte den Studenten eine schriftliche Antwort und Diskussionsrunde zu. „Ich nehme das so zur Kenntnis“, sagte Rektor Heinemann und machte deutlich, dass er für Anregungen prinzipiell offen sei. „Es sind viele Dinge aufgeführt, über die man reden kann.“ Dekan Ralf Böse, der den Fachbereich Informatik leitet, sieht den Vorstoß positiv: „Es sind etliche gute Vorschläge dabei, die auch von anderen Gremien der Hochschule schon gekommen sind.“

Die Schmalkalder Studenten sind beim Bildungsstreiken keine Greenhorns. Im November fuhr ein Tross zu einer Demonstration nach Jena. Ebenfalls im November organisierte der Stura eine Protestaktion gegen kürzere Mensa-Öffnungszeiten und teurere Nudelpreise.

Den jetzt erarbeiteten Forderungskatalog erhalten ebenfalls der Vorsitzende des Hochschulrats, Hans-Joachim Bauer, das Studentenwerk Thüringen, die Stadt Schmalkalden, die Konferenz Thüringer Studierendenschaften (KTS) und das Thüringer Kultusministerium.

Quelle: Freies Wort http://www.freies-wort.de/nachrichten/regional/schmalkalden/fwstzsmlokal/art2450,1104904 Datum: 29. Januar 2010

presseschau_ein_vorstoay_der_a_berraschenden_art.txt · Zuletzt geändert: 2018/11/22 15:55 (Externe Bearbeitung)