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presseschau_schieflage_ma_glichst_schnell_gerade_ra_cken [2018/11/22 15:55] (aktuell)
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 +====== Presseschau/​Schieflage_möglichst_schnell_gerade_rücken ======
  
 +**Debatte um die Zukunft Thüringer Hochschulen / Jusos strikt gegen Studiengebühren**
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 +Schmalkalden - Zu einer Diskussion über die künftige Struktur und Aufgaben der Thüringer Hochschulen und Universitäten hatte die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) interessierte Teilnehmer eingeladen. Denn einiges ist da in Schieflage. Allein die Hälfte aller Studierenden sind an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena eingeschrieben. Unterdessen müssen sich die verbleibenden Hochschulen und Universitäten wie Erfurt, Weimar, Ilmenau, Meiningen, Nordhausen und Schmalkalden die andere Hälfte teilen.
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 +Nicht nur vor diesem Hintergrund machte Dietmar Molthagen vom Thüringer Landesbüro eingangs der Tagung an der FH Schmalkalden aufmerksam, dass es jetzt zu Beginn der Legislaturperiode geboten sei, sich über die künftige Hochschullandschaft im Freistaat Gedanken zu machen. Christian Berthold vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) stellte die Ergebnisse einer Studie vor, in der er sich mit den Auswirkungen der demographischen Entwicklung auf die Hochschulen in Thüringen beschäftigt hatte. Darin beschrieb er einerseits im internationalen Vergleich die Stagnation bei der Ausbildung von Akademikern in Deutschland. Andererseits machte er Missverhältnisse und Reserven in der Thüringer Hochschullandschaft deutlich. "Wir wachsen nicht mehr", deutete er die Zahl der Absolventen an Hochschulen und Universitäten. In der Industrie können trotz Krise je nach Branche ein Drittel der Fachstellen nicht besetzt werden. In Thüringen fehlen laut Hochrechnung bis zum Jahr 2015 rund 80 000 qualifizierte Fachkräfte,​ da ist der Ersatzbedarf von ausscheidenden Mitarbeitern nicht eingerechnet. Dazu kommt das Problem, dass fast jeder zweite Absolvent nach einem Studium Thüringen verlässt. Meist werden die jungen Akademiker nach Bayern und Baden-Württemberg abgeworben.
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 +Künftig ist ein Studierendenboom aus den alten Bundesländern zu erwarten, der auf verschiedenen Faktoren beruht. Hier müssen die Hochschulen in Thüringen aktiv werden und auf ihre Angebote besser aufmerksam machen, forderte Christian Berthold. Das gelte zugleich für die Kommunen. Denn teure Universitätsstädte wie München, Berlin oder Frankfurt/​M. sind trotz enormer Studien- und Lebenshaltungskosten weiter im Aufwärtstrend. Wer nicht weiß, wo Schmalkalden überhaupt liegt, der wird sich auch nicht für ein Studium in der unbekannten Stadt entschließen.
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 +Am Ende standen im Rahmen der Studie vier Kernpunkte als Empfehlung an die Landesregierung. Eine Gesamtstrategie für die Hochschullandschaft müsse zielstrebig herausgearbeitet werden, bisher sei eine solche nicht erkennbar. Das Land müsse sich die Frage stellen, was will ich erreichen und am Ende Farbe bekennen, Prioritäten setzen. Bisher gebe es nur eine Fülle von Einzelideen und die Diskussion laufe von unten nach oben. Das müsse andersherum passieren. Außerdem sollte, so ein weiteres Ergebnis der Studie, unbedingt ein Ministerium für Wissenschaft und Bildung entstehen, damit die Entscheidungsvollmacht in einem Haus bleibt.
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 +Als dritten Punkt nannte Christian Berthold die Beachtung der demographischen Entwicklung. "Ich kann in der Thüringer Landespolitik nicht erkennen, dass dieser Fakt Priorität hat", sagte der Referent. Darüber sei er sehr verwundert, denn dies sei nicht nur in der Bildungspolitik Ausgangspunkt für die Perspektivplanung im Freistaat. Potenziale sieht Berthold bei der Erhöhung des Anteils ausländischer Studenten und der Heranführung von Hoschulabsolventen aus bisher bildungsfernen Schichten. Die Hochschulen müssen sich öffnen und für sich werben, neue Zielgruppen erreichen, was bisher nicht notwenig gewesen sei. Viertens müsse das Land die bestehenden Hochschulen als Erfolgsfaktor anerkennen, dementsprechend ausstatten und fördern. FH-Rektor Prof. Elmar Heinemann machte das Thema mit Blick auf die Fachhochschule Schmalkalden deutlich. Seit der Neugründung 1991 habe man jedes Jahr wachsende Studierendenzahlen,​ derzeit sind es rund 3000. Etwa 90 Prozent aller Absolventen haben ein halbes Jahr nach Ende des Studiums einen festen Arbeitsplatz. Allerdings ist die schlechte Verkehrsanbindung ein großes Manko, selbst der Bahnhof am Campus wurde erst gar nicht angenommen. Mit Einführung von Studiengebühren,​ die in der Runde ebenfalls diskutiert wurden, hätte die FH drei Millionen Euro Einnahmen. Das wären auf den aktuellen Hochschulhaushalt bezogen etwa 30 Prozent Mehreinnahmen. Dieses Geld könnte wieder in neue Technik für Labore und Forschung, neues Personal und damit auch in die Ausbildung investiert werden.
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 +Thüringens Juso-Vorsitzender und Mitglied des Landtags, Peter Metz, erteilte Studiengebühren eine klare Absage. Die SPD wolle auch die Verwaltungsgebühren prüfen lassen, welche die Studenten jedes Semester bezahlen müssen. In der folgenden Diskussion kamen viele Gedanken, Anregungen, aber auch Bedenken zur Sprache. Am Ende muss die Friedrich-Ebert-Stiftung in Thüringen dieses "​Material"​ aufarbeiten und an die politischen Gremien im Freistaat weitergeben.
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 + ​Quelle:​ Freies Wort [[http://​www.freies-wort.de/​nachrichten/​regional/​schmalkalden/​fwstzsmlokal/​art2450,​1048508]]
 + ​Datum:​ 14. Oktober 2009
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 +[[Kategorie:​Presse]]
 +[[Kategorie:​2009]]
 +[[Kategorie:​Hochschulpolitik]]
 +[[Kategorie:​Verwaltungskostenbeitrag]]
 +[[Kategorie:​Podiumsdiskussion]]
presseschau_schieflage_ma_glichst_schnell_gerade_ra_cken.txt · Zuletzt geändert: 2018/11/22 15:55 (Externe Bearbeitung)