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vortrag_hamburger_modell_studieren_mit_behinderung_11.12.2012

Vortrag_Hamburger_Modell_Studieren_mit_Behinderung_11.12.2012

= Vortrag Frau Gattermann-Kasper (im Folgenden G.-K.) =

  • Referentin: Frau Gattermann-Kasper (im Folgenden G.-K.), Behindertenbeauftragte der Uni Hamburg-Harburg
  • Thema: Studierende mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen an der Uni Hamburg-Harburg
    • Vortragsfolien gibt es auch elektronisch –> wird über den Verteiler geschickt. Wenn sie vorliegt bitte hier einfügen und mit den Aussagen/der Mitschrift unten korrelieren (Stand: 11.12.2012)

Ausgangslage

  • Uni Hamburg hat Stabsstelle für Studierende mit Behinderung und chron. Krankheit –> an Kanzler angebunden; auch mit Mitteln ausgestattet
  • Amt als Beauftragte für Studierende mit Behinderung und chron. Krankheit im Hamburger Hochschulgesetz festgelegt
  • sehr große Hochschule mit über 10000 Mitarbeitern und ca. 700 Profs –> Vergleich mit den kleineren Unis teilweise schwierig; aber vielleicht kann man sich einiges abschauen
  • will sich im Vortrag v.a. nach dem Ablaufplan des Studiums eines/einer Studierenden richten –> AblaufplanStudiummitbehinderung.pdf

rechtliche Regelungen und Position/Situation der Beauftragten

  • geregelt im §88 HmbHG
  • Amt des Behindertenbeauftragten (angelehnt als Gleichstellungsbeauftragte, aber schwächer ausgestattet)
  • für drei Jahre vom Senat gewählt
    • Anmerkung Herr Becker (TMBWK): findet drei Jahre zu kurz (Einarbeitung und Kontinuität etc.)
    • Frau G.-K.:
      • am üblichen Rahmen orientiert
      • längere Zeit meist abschreckend
      • sollte hauptamtlich besetzt sein
      • Amt war auch lange unbesetzt –> viele Menschen scheuen die Konflikte und die Arbeit
  • Personal- und Sachmittel sind zu stellen und Freistellung ist notwendig –> wird von Behindertenbeauftragter selbst verwaltet (ca. 40000 Euro im Jahr –> v.a. für Dolmetscherposten)
  • an allen Dingen beteiligt, die die behinderten und chron. kranken Studierenden betrifft
  • im Bereich Studium und Lehre wurde in der Zwischenzeit ein guter Stand erreicht
  • im bereich der IT- und Kommunikationstechnik –> auch nicht schlecht, da die Leute dort schnell reagieren
  • im Bereich Bauen sehr schwierig (Stadtstaat und schwieriger Baubestand)
    • das Dreieck zwischen Hochschule, Bauamt und Wissenschaftsministerium ist sehr belastend
    • Herr Becker vermisst Vetorecht –> Frau G.-K.: stand im Vorschlag für das HmbgHG –> wird derzeit wieder versucht reinzubringen; allerdings schwieriges Thema (soll über Aktionsplan laufen)

Angebote

  • ausschließlich auf zentraler Ebene (nicht auf Fakultätsebene), da hohes Spezialwissen erforderlich
  • auch die Außenvertretung durch mehrere war schwierig
  • gibt ein Büro als zentrale Anlaufstelle –> Berautungscenter mit allen Beratungsinstitutionen
  • Gehörlosenzentrum –> lange mit studentischer Initiative gelaufen; jetzt nur noch in begrenztem Umfang möglich
  • Zentrale Studienberatung und psychologische Beratung (halbe Stelle)
  • Studierendenwerk Hamburg; Beratung Soziales und Internationales
  • alle Stellen sehr gut vernetzt –> geht nur in der Kooperation
  • Anmerkung Frau Peter (TU Ilmenau) –> Problem mit psychologischer Beratung
    • Frau G.-K.: im Hochschulgesetz ist es verankert; aber keine Tests bzw. Therapie oder ähnliches
    • Kooperation mit dem Universitätsklinikum
    • aber auch nicht jede Hochschule hat ein solches Programm –> kleine Hochschulen sind bei den größeren mit untergebracht; geht durch die örtliche Nähe im Stadtgebiet
    • vier Psycholog_Innen
    • Stabsstelle für Studierende mit chronischer Krankheit oder Behinderung ist leider nur mit Beauftragter und studentischen Mitarbeiter_Innen besetzt

Angebote für Studieninteressierte und Studierende

  • persönliche, telefonische und schriftliche Beratung sowie daraus resultierende Folgeaktivitäten
  • Info- und Orientierungsveranstaltungen
  • Broschüren und Merkblätter
  • Internetangebote
  • Fortbildung für die 17 Studienbüros –> zentrale Anlaufstelle für Lehrveranstaltung und Studienfachberatung (Studienkoordinator_Innen)

Strukturelle Aufgaben

  • Weiterentwicklung im Bereich „Studium und Lehre“
  • Mitwirkung und Initiierung an der Gestaltung von universitätsinternen Strukturen und Prozessen
  • Mitwirkung an den Regelungen für die Zielgruppe auf behörden- und überregionaler Ebene
  • bei Masterzulassung –> bisher keine Quote; nur Nachteilsausgleich

Einordnung der Zielgruppe

  • nach 18. Sozialerhebung:
    • 19% mit gesundheitlicher Schädigung
    • 8% bei denen das Studium beeinträchtigt wird
    • 4% bei denen Studium mittel oder stark beeinträchtigt
    • ca. 1% der Studierenden an der Uni Hamburg kommen in die Beratung
  • nach Sondererhebung „Beeinträchtigt Studieren“ (2012 beim DSW)
    • 45% psychologisch
    • 20% chronisch-somatische Beeinträchtigung
    • andere Sachen sind wesentlich geringer
    • zetrale Ergebnisse:
      • 94% keine visuell sichtbare Behinderung
      • 25% Beeinträchtigung nach Studiebeginn erworben
      • nur 8% haben Schwerbehindertenausweis
      • nur 41% der Betroffenen erhalten Nachteilsausgleiche (hier bitte noch einmal genau nachschauen)
    • Nutzung der Beratungsangebote
      • Beauftragte der Hochschulen 6%
      • Studentenwerke 3%
      • Asta 2%
      • studentische Selbsthilfe: 0,8%
      • psychologische Beratungsstellen: 15%
        • in Hamburg wesentlich stärker genutzt –> wenn entsprechende Sachen vorgehalten werden, werden sie auch genutzt

Definition der Zielgruppe

  • rechtliche Definition gibt es zwar, aber erst einmal pragmatisch definiert –> nehmen erst einmal alle an
  • prinzipiell sind es Personen:
    • mit länger andauernden Beeinträchtigungen,
    • die in Wechselwirkung mit Zugangs- und Zulassungs- oder
    • studien- und prüfungsbezogenen Bedingungen stehen, die zu erheblichen Nachteilen im Studium führen.

Angebotsentwicklung/-ausrichtung

  • nutzen bestehende Angebote; wenig Kapazitäten etwas eigenes zu kreieren
  • spezifische Orientierungsangebote für Schüler_Innen
    • stehen im Programmheft der Studieninformationstage –> erreichen damit zwar meist nur kleine Personenzahl; aber dafür sind diese informiert
  • Frage Herr Becker: gibt es spezielle Informationsangebote für Eltern?
    • Frau G.-K.:bisher noch nicht angeboten; viele Eltern rufen an und kommen mit –> Problem: Studierende werden immer jünger; Eltern sind auch teilweise problematisch
  • laufende Beratung auf Anfrage
  • Schnupperbesuche (v.a. für Leute mit körperlichen Beeinträchtigungen (Seh- und Hörbeeinträchtigung; Gehhilfen und Rollstuhl), die nicht aus Hamburg oder Metropolregionen kommen) –> individuelles Programm über 1-2 Tage; die Wege werden entsprechend abgegangen (mit Tutoren etc.)

Zugang und Zulassung zu Bachelor- und anderen grundständigen Studiengängen

  • bei allgemeinen Zulassungsvoraussetzungen schwierig ranzukommen
  • bei besonderen Zulassungsvoraussetzungen–> Nachteilsausgleich möglich
    • Internetbasierte Tests (Sprachen oder Selfassessmentcenter) bilden teilweise große Barrieren, da hier teilweise noch nicht die Möglichkeit besteht, Änderungen herbeizuführen
      • müssten nachteilsgerecht angepasst werden (oder abschaffen –>Anmerkung von Andreas)
  • Härtequoten zwischen 2 und 5 % bundesweit
  • Härtefallanträge bei örtlicher Zulassungsbeschränkung als Möglichkeit
    • Auswahlkriterien –> meist Antrag nur auf Durchschnittsnote genehmigt –> Ziel: auf alle Kriterien anwenden
    • bei Wartesemestern –> ebenfalls Härtefallantrag
      • ist für den Master auch dasselbe
  • Frage von Herrn Becher (UEF): bei besonderen Zugangsvoraussetzung –> hat die Behindertenbeauftragte dort Mitspracherecht?
    • bei Fakultätsebene schwer reinzukommen –> meist nicht möglich aus kapazitiven Gründen sich in die Einzelheiten einzuarbeiten und darauf einzuwirken
    • aber ganz gut vernetzt mit dem Rechtsamt
    • keine generelle Ablehnen der Zugangsvoraussetzungen/ setzt eher auf Quote
    • meist sehr zurückhaltend genutzte Zugangsvoraussetzungen; hier zieht meist das Arbeitsargument für Beantragung des Nachteilsausgleichs

Erlangung des Nachteilsausgleichs

  • Glaubhaftmachung oder geeigneter Nachweis
  • systematische Abfrage nach Belegen
  • amtsärztliche Atteste werden nicht beantragt –> Ziel: so schlank wie möglich
  • wenn bisher keine Atteste –> Glaubhaftmachung reicht zunächst aus;
  • beim ersten Mal Gutachten nicht zwingend notwendig (teilweise auch nicht möglich, da Fachärzte sehr lange Wartezeiten haben) –> fachärztliche Gutachten müssen beim zweiten Mal beigebracht werden;
  • bei der Zulassung wird das jedoch wesentlich strenger, da viele Klagen
  • gibt keine Vorschriften, da die Anliegen sehr unterschiedlich und individuell darauf reagiert wird

Nachteilsausgleich bei Prüfungen

  • Regelung im HmbgHG
    • bei Aufgaben der Hochschulen
    • außerdem gibt es einen Paragraphen, dass es in den Prüfungsordnungen drin stehen muss
  • im Zuge vom BA/MA-Umstellung –> einheitliche Regelung für die Anwendungspraxis
  • Musterformulierungen für alle Ordnungen
    • offene Formulierungen, damit man individuell vorgehen kann
    • in Zukunft schriftlicher Antrag (Formular) –> um sich zu schützen vor zu späten Eingaben (Studierende haben vorher teilweise einen Tag vor der Prüfung einen Nachteilsausgleich beantragt)
    • bei Entscheidungen des Prüfungsausschusses berät die Beauftragte
  • übliche Regelungen für akuten Krankheitsfall
  • verschiedene Härtefallregelungen –> für nach der Prüfung (Fristverlängerungen; Wiederholbarkeit; Abschlussarbeiten)

Nachweise

  • geregelter Arbeitsablauf, bei denen schon vorhandenes abgefragt wird
  • Ist Nachweis notwendig?
  • Kann schon vorhandener Nachweis genutzt werden?
    • bspw. Feststellungsbescheid des Versorgungsamts
  • neue Nachweise verlangen –> von Fachärzten etc. (Listen sind bei der Studienberatung vorhanden)
  • Stellungnahme von Berater_Innen (bekommt der/die Studierende) als alleiniger Nachweis möglich –> v.a. für Studierende, welche stigmatisierende Erkrankungen haben –> Bescheinigungen etc. bleiben bei Beauftragter
  • Nachteilsausgleiche tauchen nicht im Verwaltungssystem auf –> Datenschutz

Festlegung der Maßnahmen

  • generelle, auf bestimmte Beeinträchtigungen bezogene Empfehlungen zur Gestaltung von Nachteilsausgleichen in der Regel nicht möglich
  • Leitlinien (Rechtssprechung)
    • nicht so etwas wie Einfluss auf den Inhalt der Prüfung
    • nur Modifikationen der Bedingungen oder der Form der Ermittlungen von Leistungen vor der Prüfung
    • keine Modifikationen im Nachhinein –> kommt noch einmal in der Präsentation

Regelung für Ausstieg und Wiedereinstieg

  • Immaordnung ist ebenfalls wichtig
    • Beurlaubung auch während des laufenden Semesters und keine Begrenzung der Zahl der Urlaubssemester
    • Exmatrikulation und spätere Wiedereinschreibung ohne erneutes Zulassungsverfahren
    • Wiedereinstieg ins Studium im Status „Beurlaubung“ –> ist hier direkt verankert
    • Anpassung des Soll-Pensums
  • Prüfungsordnung
    • persönlicher Studienplan –> werden jedes Semester überprüft (läuft über die dezentrale Ebene)
    • Anpassung von Präsenzpflichten

Spezifische Beratungsangebote

  • Telefonsprechstunde
  • offene Sprechstunden für BewerberInnen und Studierende
  • Beratungstermine nach Vereinbarung

typische Beratungsthemen

  • flexible Gestaltung von Studienverlauf, Pensum und Prüfungsbedingungen durch so genannte Nachteilsausgleiche
  • Ausstieg und (Wieder-)Einstieg bei Krankheitsphasen (sowie sozial- und prüfungsrechtliche Folgen)
  • Zugänglichkeit und Nutzbarkeit von Gebäuden

Sprechzeitenkonzept

internationale Studierende

  • gerade bei internationalen Studierenden –> noch größere Berührungsängste

Vergleich mit internationalen Hochschulen

  • Frage von Herrn Becker:
    • wie sieht es international aus?
  • Fr. G.-K.: meist wesentlich besser ausgestattet und organisiert –> Finanzierung findet wohl über Studiengebühren statt

Beratungsstatistik 2011

  • über 500 Personen direkt betroffen
  • über 900 Beratungsgespräche
  • 160 Gutachten
    • sind stark überlastet

Möglichkeiten des Nachteilsausgleichs bei weitere Zulassungsphase zum konsekutiven Master

  • bei weiterbildenden Studiengängen kaum Zulassungsvoraussetzungen
  • auch hier wieder auf besondere Zugangsvoraussetzungen Einfluss
  • kein Härtefallantrag vorgesehen
  • Auswahlverfahren auch wieder mit Nachteilsausgleich –> allerdings sehr schwierig umzusetzen

Charakterisierung der einzelnen Bereiche der Gleichstellungsarbeit

  • im Bereich Studium und Lehre gut aufgestellt
  • massive Probleme bei Strukturen; v.a. im Bereich der Räume/Gebäude
    • schwieriger Gebäudebestand
    • Gebäude im Stadtgebiet breit verteilt
    • keine vollständige Dokumentation der Gebäude und Räume aus der Perspektive von Menschen mit Behinderungen

**Probleme bei der Abstimmung beim Bauen

  • allerdings gute Abstimmung mit der Schwerbehindertenvertretung
  • haben sich nicht in die Rolle drängen lassen, dass sie die Arbeit für den/die Architekt_In übernehmen –> haben es auf die Fachabteilung delegiert –> hoffen, dass sie damit entlastet werden und sie nur noch darüber schauen müssen
  • zwei Servicebroschüren mit dem Notwendigsten zum Studium (auch mit Räumlichkeiten und Orten)
    • allerdings schwierig zu aktualisieren, da hier die Kooperation mit dem Dezernat schwierig ist –> wollen demnächst darauf hinwirken, dass die Grundinfos generell von der Hochschule bereit gestellt werden
    • Dreieck zwischen Baubehörde, Ministerium und Hochschulen –> hier gehen viele Sachen verloren und entstehen große Reibungseffekte –> verschieben die Arbeit zum Thema Barrierefreiheit gern an die Beauftragten
  • Internetseiten/IT
  • Relaunch des Zentralen Webauftrittes –> wollen auf die BIK 90+ - Liste (barrierefrei Informieren und Kommunizieren)
  • bisher „barrierearm„, aber nicht barrierefrei – genauso wie die Formulare
  • viele sind hier offener als bei Bauen und Liegenschaften für neue Sachen
  • bei größeren Netzen jedoch problematisch
  • bei den Bibliotheken sind viele Sachen zur Verbesserung derzeit geplant

Leistungen durch das Behindertenbüro

–> insgesamt zu wenig Mittel, um über Beratung hinauszugehen

  • Prüfungsausschüsse
    • Frage aus der Runde: Gibt es hier Schulungen? Wie werden hier die Betroffenen mit einbezogen?
      • Frau G.-K.:
        • Ausgangspunkt ist der Antrag
        • Ausschüsse haben Übung; wenn sie unsicher sind, wenden sie sich an die Beauftragte
        • Schulungen finden nicht regelmäßig statt; aber im Sinne des Aktionsplans eventuell institutionalisiert
        • Lehrende sind sich nicht immer sicher –> fragen nach
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